"Dass mer do mol en Radweg himacht!"
Reportage: Schulkinder aus Eußerthal werden beim Ortsrundgang nach ihren Wünschen bei der Dorferneuerung gefragt
Treffpunkt Dorfplatz Eußerthal, 10 Uhr. Martin Theodor, Sozialpädagoge und zuständig für kommunale Kinder-, Jugend- und Bürgerbeteiligung beim Beratungszentrum Kobra in Landau, hat im leichten Schneetreiben die Mütze tief ins Gesicht gezogen, die Hände in den Hosentaschen vergraben. Er wartet auf die Schulkinder. Auf einem Rundgang will er erfahren, was ihnen im Dorf so alles gefällt oder auch nicht...
Carsten Scherrer, Vertreter der Elternschaft und Teilnehmer an der AG Dorfgemeinschaft, stapft heran, gegen den Schnee ebenfalls gut verpackt. Er will assistieren. Zwei Stunden etwa hat man angesetzt.
Da kommt auch schon der Bus, parkt ein und schüttet die Akteure aus, 19 Kinder der Grundschule, neun Mädchen und zehn Jungen, alle aus Eußerthal, dazu einen ihrer Lehrer, Pedro Magin...
Routinier Theodor weiß, wie man so etwas anfängt. Die hinderlichen Ranzen sollen die Kinder zunächst im Dorfgemeinschaftshaus lassen. Der Lehrer schickt alle noch einmal aufs Klo. Die Kinder wissen Bescheid, weshalb sie hergebracht worden sind. In zwei Gruppen ziehen sie los, in entgegengesetzter Richtung. Theodor nimmt die Mädchen und die Studentin unter seine Fittiche. Die anderen entfernen sich mit Anführer Scherrer in Richtung Klosterkirche. Die Kinder sind aufgeweckt und mitteilsam.
„Überlegt euch genau, was ihr mir zeigen wollt", gibt Theodor den Plappermäulchen das Planziel vor. Der Eußerthaler Bürgermeister wolle genau wissen, wo die Kinder ihre Spielplätze hätten, wo es gefährlich für sie sei, wo es Stolperfallen gebe.
Den großzügig angelegten Dorfplatz mit seiner Pflasterung halten sie alle für in Ordnung. Man könne darauf schön mit dem Fahrrad und dem Roller herumkurven oder auch inlineskaten, weil für die Autos genug Parkflächen am Rand vorhanden seien. Die Jungen finden später, ein paar Tischtennisplatten und ein Basketballkorb würden ganz gut hinpassen.
Drüben an der Bushaltestelle müsse aber einiges getan werden. Johanna, Melina und Leonie ereifern sich geradezu, wie „verschmiert" und „dreckig" es dort sei...
An den Rändern der Haingeraidstraße steht das Schmelzwasser. Die Kinder schlurfen vergnügt durch die Pfützen. Weiter oben zum Taubensuhl hin sei die Straße voller Löcher, weiß Olivia, die im Talkessel hinten bei den Forellenzuchtteichen wohnt. Samantha findet, es gebe zu wenige Straßenlaternen. Manche seien auch kaputt. Der Schulweg sei im Winter dort zu dunkel. Leonie hat vor einem Hund Angst, von dem sie morgens angekläfft werde. Ach ja, die Hunde! Anna führt die Gruppe zu ihrer Spielwiese, wo man sich hinter Holzstößen so schön verstecken könne. Aber man müsse auf der Hut sein. „Überall kacken die Hunde hin."
Am Bolzplatz beim Mönchsweg balgen sich die Jungen im Schnee. Ausgleich müsse sein, meint Lehrer Magin. Aber sie hätten auch manches festgestellt. Gut fänden die Jungen, dass endlich Netze an die Tore gekommen seien, schlecht, dass der Platz häufig mit Fahrzeugen verstellt werde. Auch fehle ein Ballauffangzaun zur Straße hin. Der gemeindeeigene Kinderspielplatz hingegen sei langweilig...
Dann lässt die Konzentration doch nach. Der Schnee reizt die Kinder. Zur Abwechslung werden ein paar kurze Sportphasen eingelegt und Firmenschilder mit Schneebällen zugepflastert. Begehrlicheres Ziel ist freilich die junge Praktikantin. An der Haingeraidstraße angekommen, halten es auch die Jungen dort für nicht ungefährlich. „Da fahrn manche wie so"n Depp", platzt es aus Rico heraus, und Jan verlangt, „dass mer do mol en Radweg himacht."
Auf die Abschlussbesprechung wird verzichtet. Doch Anna hat schon vorher ein passendes, vielleicht etwas altkluges Schlusswort gesprochen: „Dumm, dass Entscheidungen ohne die Kinder getroffen werden."
Die Rheinpfalz, 18. Februar 2009
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