|
Dorferneuerer plaudern aus der Praxis
Erste Kobra-Gesprächsrunde zu den Themen Dorferneuerung, Dorfmoderation und Dorfentwicklung
„Dorferneuerung - Dorfmoderation - Dorfentwicklungsplanung" waren die Themen der ersten KOBRA-Praxisgespräche am Donnerstag im Weingut Münzberg in Godramstein. Peter Dell, Geschäftsführer des Beratungszentrums für kommunale Kinder-, Jugend-, Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung (Kobra) konnte 25 Bürgermeister aus der Pfalz und aus Rheinhessen begrüßen.
Diplom-Ingenieur und Stadtplaner Jürgen Wolf (Kaiserslautern) zeigte in seinem Referat Lösungsansätze auf, wie man an Fördermittel kommen kann. „Wir machen klassische Dorferneuerung in drei Schritten", erklärte Wolf. „Zunächst erfolgt eine Bestandsaufnahme, dann erheben wir Daten und machen uns mit Strukturen der Gemeinden vertraut, dann gibt es eine Bewertung nach dem Grundsatz: Was ist gut, was ist schlecht." Gutes solle erhalten, Schlechtes nach Möglichkeit beseitigt werden, laute die Devise. Wolf wies darauf hin, dass die Beteiligung der Bürger das wichtigste Prinzip eines Dorfentwicklungsplans sei...
Diplom-Sozialpädagoge Martin Theodor (Kobra Landau) und Diplom-Ingenieurin Caroline Engelhardt (Mainz) betonten, dass durch die Moderation im Rahmen der Dorferneuerung das Gemeinschaftsgefühl gestärkt und viele Mitbürger motiviert würden, sich für die Belange des Dorfes zu engagieren.
Theodor hielt es für wichtig, bei den Planungen die Interessen älterer Bürger zu berücksichtigen. Wo gibt es Einkaufsmöglichkeiten? Gibt es ausreichende medizinische Versorgung und Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel? Das seien wichtige Fragen. Für Kinder und Jugendliche böten „Streifzüge durch das Dorf, das Einrichten einer Kunst- oder Planungswerkstatt gute Möglichkeiten, die Jungen zu interessieren und zu aktivieren".
Rinnthals Dorfoberhaupt Heinz Hertel berichtete, im Jahre 2004 habe sein Ort die Anerkennung als Schwerpunktgemeinde bekommen. Hertel berichtete von „äußerst positiven Auswirkungen", die sich seit dem Beginn der Sanierungsmaßnahmen ergeben hätten. Die Wünsche und Anregungen von Jung und Alt seien von Beginn an in die Planungen einbezogen worden. „Annähernd 130 Rinnthaler waren am Bau des ,Tals der Generationen" ehrenamtlich tätig und haben dadurch unsere Gemeinde mit rund 47.000 Euro entlastet",... Gerlinde Jetter-Wüst, Bürgermeisterin in Freckenfeld, zeigte sich nach der Veranstaltung sehr beeindruckt von den Ausführungen der Referenten. „Diese heutigen Praxisgespräche waren sehr informativ", sagte sie. Dieser Meinung schloss sich Bürgermeister Fritz Beck aus Oberotterbach an ...
Ranschbachs Ortschef Hubert Scherthan zog das Fazit, dass die Dorferneuerung besonders für die Zukunftsentwicklung kleinerer Gemeinden, auch im Hinblick auf den demografischen Wandel, von größter oder sogar von existenzieller Bedeutung sei. Kobra-Geschäftsführer Peter Dell kündigte eine weitere Gesprächsrunde im Frühjahr 2007 an.
DIE RHEINPFALZ, 30. September 2006
|