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Minfeld: Kindern fehlt vor allem Platz zum ungestörten Spielen
Autos, wilde Müllhalden und verständnislose Erwachsene stehen auf der Schwarzliste der Drittklässer
„Und wenn der Ball dahin fliegt, dann kommt der raus, gibt uns den Ball nicht mehr und sagt, hier dürft ihr nicht spielen." Michael weiß, was er will. Die Straße „Im Schlossgarten" soll Spielstraße werden, damit nicht mehr mit den Kindern geschimpft werden kann. Und deshalb setzt er sich bei der Ortsbegehung der Minfelder Kinder im Rahmen der Dorferneuerung vehement dafür ein.
Minfeld will als Schwerpunktgemeinde anerkannt werden. Die Kindermoderation ist bei der Dorferneuerung für eine Schwerpunktgemeinde zwingend vorgeschrieben, so Martin Theodor vom Landauer Moderationsbüro Kobra. Da mit der Anerkennung in diesem oder im nächstem Jahr gerechnet wird, wurde die Moderation vorgezogen. Bevor sich die 20 Minfelder Kinder der 3. Klasse der Grundschule ... zusammen mit einigen Eltern, der Lehrerin Julia Haas und Theodor auf den Weg machten, wurden im Klassenzimmer Orte benannt, die besucht werden sollten.
Schon da stellte sich heraus, dass den Kindern vor allen Dingen eins fehlt: Plätze, an denen sie ungestört spielen können. So am Bach beim Spielplatz Richtung Sportplatz: Den würden die Kinder gerne „mitbenutzen", doch auch hier beschwerten sich immer wieder Anwohner über die spielenden Kinder. Dafür kacken dann deren Katzen in den Sandkasten, so dass der Sand immer schmutzig ist. Außerdem sei der Bach, in dem sie im Sommer gerne ihre Füße bade, oft dreckig, sagt Svenja...
Theodor zeigt als ausgebildeter Pädagoge gute Nerven. Wenn alle Kinder gleichzeitig rufen, mahnt er zur Ruhe. Er nimmt sich Zeit für jedes Kind, und wenn einmal Tränen rollen, tröstet er. Jede Anregung und Beschwerde wird notiert, aber Theodor weist auch immer wieder darauf hin, dass manche Dinge nicht machbar sind: Ein Kino ... oder einen Spielplatz ähnlich dem Europapark wird es in Minfeld wohl nie geben. Kleinigkeiten, wie das Freilegen der eingewachsenen Wippe am Spielplatz des Tennisplatzes oder das Aufstellen von Fußballtoren könnten allerdings in Eigenleistung schnell verwirklicht werden.
Julian, Philipp und Tobias haben eine Beschwerde: Sie haben sich am Mühlbach ein „geheimes" Lager errichtet. Bachstelzen, Ringelnattern und Fische könne man dort beobachten, berichten sie voller Stolz. Doch jetzt würde immer mehr Kompost und anderer Abfall dort abgeladen...
Doch nicht nur über Plätze zum Spielen machen sich die Kinder Gedanken: Die Toilette an der Schule sollte saniert werden, so die Kinder. Auch über Verkehrsprobleme wird nachgedacht... Fast an jeder Stelle wird erklärt, was dort gespielt wird oder fehlt. Die Kinder sind glücklich, dass sie auch mal gefragt werden. Da sie so eifrig bei der Sache sind, aber wieder zurück zur Schule müssen, drängen die Erwachsenen zur Eile. Eine Abkürzung wird allerdings nicht akzeptiert. In den Holderbusch müsse man unbedingt auch noch, werden die Erwachsenen überstimmt. Beim Spielplatz dort könnten sich die Kinder eine Art Abenteuerspielplatz vorstellen. Theodor macht während der ganzen Zeit Fotos der von den Kindern angesprochenen Kritikpunkte. Nächste Woche trifft man sich noch einmal. Bei dem Treffen sollen aus den gut 80 Fotos in Gruppenarbeit Kollagen über die Kinderwünsche erstellt werden. Zudem wird eine Liste mit dringenden Vorschlägen dem Ortsbürgermeister übergeben.
DIE RHEINPFALZ, 19. Januar 2005
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