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Firmenporträt KOBRA-Beratungszentrum

„Kick haben Kinderstadtpläne gebracht"
Landauer Beratungszentrum Kobra hilft Gemeinden, ganz nach den Interessen ihrer Bürger zu planen

„Die wissen genau, wovon sie sprechen." Dr. Peter Dell setzt auf die Ortskenntnisse von Kindern, wenn er mit seinem Landauer Büro Kobra, dem Beratungszentrum für kommunale Kinder-, Jugend-, Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung, Stadtpläne mit Spielplätzen, inoffiziellen Treffs und weiteren Hinweisen für kleine Leute entwirft. „Da gehen 20 Hände gleichzeitig hoch", erzählt Martin Theodor von Erlebnissen, wenn er vor Kindergartengruppen oder Schulklassen steht und von ihnen erfahren möchte, was in ihrem Wohngebiet auf keinen Fall fehlen darf.
„Den Kick haben uns die Kinderstadtpläne gebracht", blickt Dell auf die Anfangsjahre von Kobra zurück. 1998 haben sich der Politikwissenschaftler und der Sozialpädagoge Theodor gemeinsam selbstständig gemacht. Damals, als die rheinland-pfälzische Verfassung geändert und der Kinder- und Jugendbeteiligung ein höherer Stellenwert eingeräumt worden sei. Damals, als Dell für die Uni Landau im Projekt „Lupo" an einer Jugendbefragung in Herxheim gearbeitet hatte, wo Theodor Jugendpfleger war.
Seither wollen die beiden Kobra-Geschäftsführer ganz praktisch und vor Ort die Beteiligungskultur verbessern. Keineswegs nur mit Stadtplänen, von denen es mittlerweile - mit Neuauflagen - über 80 gibt, nicht nur für rheinland-pfälzische Orte und Städte, sondern zum Beispiel auch für Gemeinden in Baden-Württemberg. So wie die beiden Unternehmer ihr Betätigungsfeld regional und inhaltlich ausgebaut haben, ist auch die Zahl ihrer Mitarbeiter und Kooperationspartner stetig gewachsen. Vier Beschäftigte zählt das Landauer Büro, in dem es unter anderem eine Grafikabteilung gibt, die nicht nur die eigenen Kinderstadtpläne gestaltet. Im Baden-Württembergischen Kandern sind zwei Partner tätig, im schweizerischen Basel ist es einer.
Über die Grenzen hinweg ist Dell schon lange tätig. Seit 1997 gehört er der Arbeitsgemeinschaft Jugend der Oberrheinkonferenz an. Seit 1999 betreut sein Büro das grenzüberschreitende Miteinander von Jugendlichen in Elsass, Pfalz und Baden. Dann sei es wichtig, Gemeinsamkeiten junger Leute auf beiden Seiten einer Grenze hervorzuheben und im Gegenzug Unterschiede auszugleichen.
Trotzdem: Meist kommen das Kobra-Team und seine Honorarkräfte dann zum Einsatz, wenn es gilt, ganz konkret vor Ort die Bewohner einer Gemeinde aktiv einzubinden. Dabei holen sie die Kleinen ebenso ins Boot wie junge Familien und ältere Menschen. Bei der Dorferneuerung in Rinnthal sei das beispielsweise der Fall gewesen. Gemeinsam mit den Bürgern sei überlegt worden, wie sie sich ihren Ort in der Zukunft wünschen. Oder in Minfeld, wo selbst der Ortsbürgermeisterwechsel die Entwicklung nicht ins Stocken gebracht habe. Trotz aller Bürgerbeteiligung liege die Entscheidungsgewalt weiterhin bei den gewählten Räten, sagt Theodor. In Minfeld habe das Ortsparlament schlichtweg den Vorhaben der Bürger zugestimmt, ergänzt Dell. Ideen werden dann beispielsweise mit Architekten umgesetzt, die Beteiligten aber immer wieder an den runden Tisch geholt.
Acht Dorferneuerungen in der Pfalz und in Rheinhessen hat das Team bereits abgeschlossen, sieben weitere sind noch am Laufen. „Wenn ich am Schluss nur noch Protokoll schreibe, dann habe ich es gepackt", erläutert der Politikwissenschaftler Dell. Er erwähnt auch, dass sich die Beteiligten bisweilen erst einmal an die demokratischen Spielregeln gewöhnen müssten. Wenn es kein Freibad gebe, müssten Jugendliche das auch verstehen und akzeptieren, wenn sie es verständlich erläutert bekämen.
Auch wenn Dell und Theodor mit ihrer Mannschaft in ganz Süddeutschland unterwegs sind: In Landau sind sie ebenfalls gefragt. Dort haben sie den Schulhof der Paul-Moor-Schule geplant, für die Stadt haben sie nicht nur ihren ersten Kinderstadtplan erstellt, sondern legen in 2006 auch den nächsten auf.

DIE RHEINPFALZ, 15. Oktober 2005