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Saarlouis: Wo ist der beliebte Kletterbaum?
Saarlouis. "Wisst ihr, warum ich da bin?", fragte Martin Theodor in der Ganztagsschule im Vogelsang. "Weil Sie wissen wollen, was hier im Viertel so alles ist", gab der kleine Mike zur Antwort. "Und weshalb brauche ich diese Informationen?" "Für eine Kinderzeitung?", rätselten Schülerinnen und Schüler des zweiten bis vierten Schuljahres, "für einen Kinderatlas?" "Wir machen einen Stadtplan für Kinder!", erklärte Theodor, Sozialpädagoge bei Kobra, dem Beratungszentrum für kommunale Kinder-, Jugend-, Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung in Landau. Auch wenn es dabei nicht um große Geheimnisse geht, es ergeben sich immer wieder neue Einblicke in den Alltag der Kinder.
"Wir wollen wissen, wo Kinder nachmittags spielen", erläuterte Theodor im Vorfeld der "Saarbrücker Zeitung". "Die gewohnten Spielplätze sind ja meist bekannt. Aber wo ist der beliebte Kletterbaum, gibt es einen besonders tollen Hang zum Schlittenfahren, oder einfach nur ein gemütliches Plätzchen, um sich mit Freunden zu treffen?" Fast noch wichtiger als die Orte zum Spielen sind Gefahrenpunkte auf dem Weg zu Schule und Spielplätzen. Die sind den Erwachsenen nicht immer bekannt. Das erfuhren Martin Theodor, die Kinderbeauftragte der Stadt Saarlouis, Corinna Bast, sowie Dieter Kirsch, Sozialpädagoge an der Vogelsangschule, bei einem Spaziergang mit der Kinderschar durchs Viertel.
Doch erst einmal saßen die 17 Schülerinnen und Schüler auf niedrigen Stühlen in einem Klassenraum der Vogelsangschule. Dort ließen sie sich von Martin Theodor die Informationen entlocken. "Was muss denn in so einen Kinderstadtplan hinein?", fragte er. "Ein Spielwarengeschäft und eine Schokoladenfabrik", kam eine Antwort. Chantal brachte Freizeitparks und Eiscaf&;s zur Sprache. Doch für den Kinderstadtplan von Saarlouis ist nicht Konsum das Thema. Also weiterfragen. Einen coolen Spielplatz gebe es in der Taubenstraße, wusste eines der Kinder. Aber was fängt man mit einer Ortsangabe an, die lautet: Da kann man so runtergehen, und da ist man da so an einem Weg? Erst mit Hilfe der Ortskenntnisse von Bast und Kirsch fand sich Martin Theodor schließlich im Plan der Stadt Saarlouis zurecht. Wenig später hatte er die Stelle dann rot markiert.
Gut lesbare Schrift
Im Laufe dieser Woche werden die letzten Befragungen in Saarlouiser Grundschulen abgeschlossen sein. Damit liegen dann umfangreiche Informationen vor über besonders beliebte Plätze der Kinder. Daraus wird ein Stadtplan für Kinder entstehen, mit großen Symbolen und gut lesbarer Schrift. Und ein Warnschild weist jeweils auf gefährliche Stellen im Straßenverkehr hin. Wie an der Einmündung Reneauldstraße/Industriestraße. "Da muss ich vorbei, wenn ich zur Schule gehe", sagte Katharina, "und dann fahren immer so viele Autos." Denn zu Hauptverkehrszeiten nutzen zahlreiche Autofahrer den Vogelsang als Umgehung der Staus in der Metzer Straße.
Wenn plötzlich Kinder am Straßenrand auftauchen, kann das auch deshalb sein, weil Wege für Autofahrer im Verborgenen liegen. Dies ist der Fall an der Wallerfanger Straße gegenüber dem Gelände der alten Donnerbrauerei. Zwei Zugänge zwischen Sträuchern sind vom Auto aus kaum erkennbar. Aber Kinder nutzen diese schmalen Wege als Abkürzung. Und dann stehen sie unvermittelt zwischen den dicken Kastanienbäumen und wollen auf die andere Seite.
"Ich hatte mich früher auch immer gewundert, wo die Kinder herkamen", sagte Dieter Kirsch, "bis mir diese Wege aufgefallen sind." Die Ausbeute des interessanten Rundganges mit den Mädchen und Jungen war ein Plan mit vielen roten Markierungen. Daraus machen Fachleute dann den fertigen Kinderstadtplan, versprach Martin Theodor. Und dieser soll in einigen Wochen vorliegen.
Saarbrücker Zeitung, 08. Oktober 2003
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