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Rheinland-Pfalz: Im idealen Lokal wird gemampft, gespielt und getobt

Hagenbach/Kreis Germersheim: "KOBRA" sucht zusammen mit Schulkindern nach kinderfreundlicher Gastronomie
Wie beurteilen eigentlich Kinder den Familien-Ausflug ins Restaurant? "Wenn wir Pizza essen gehen, dann dauert es immer so lange, bis etwas kommt" - und das findet Guiseppe, Schüler der 2. Klasse der Grund- und Hauptschule Hagenbach, gar nicht so gut. Nun finden seine Ansichten ebenso wie die anderer Kinder bei einer Untersuchung auch offiziell Gehör.
So macht es vielen Kindern zwar Spaß, mit den Erwachsenen unterwegs zu sein, doch an den wirklichen Bedürfnissen der jungen Gäste geht das Angebot in den meisten Gaststätten eben oft vorbei. Dabei sind diese Gäste gar nicht so anspruchsvoll. Blumen sollten auf dem Tisch stehen, Spielmöglichkeiten soll es geben, hingegen lange Wartezeiten eben möglichst nicht.
"Meistens wollen Kinder erst einmal etwas trinken", hat Martin Theodor vom Beratungszentrum für kommunale Kinder-, Jugend-, Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung (KOBRA) in Kandel ausfindig gemacht. Theodor ist im Auftrag des Landkreises Germersheim unterwegs, welcher wiederum exemplarisch für das Land Rheinland-Pfalz heraus finden soll, was eine kinderfreundliche Gastronomie ausmacht. Eine Kindergartengruppe, sowie Schüler der Klassenstufen 2, 4 und 6 sind am Projekt beteiligt und sie sollen ihre guten und schlechten Erfahrungen einbringen. Dabei zeigte sich, dass auch bei Kindern Abwechslung auf der Speisekarte gefragt ist. In den meisten Gaststätten gibt es aber meist nur zwei oder drei Kindergerichte, die häufig mit Gerichten in anderen Gaststätten identisch sind. Nur bei den Namen lassen sich die Wirte etwas einfallen. "Pinocchio-Schnitzel" heißt es da oder "Schneewittchen-Teller", doch das sei fast schon Etikettenschwindel, moniert Theodor. Denn häufig sind dies nur kleinere Portionen eines Erwachsenenessens.
Wenn man Kinder befragt, was ihnen im Lokal so alles nicht gefällt, kommt Einiges zusammen. Ganz oben auf der Liste steht das Wort "Langeweile". Kinder wünschen sich Spielmöglichkeiten, am besten einen Spielplatz im Garten mit Rutschbahn, Schaukel und Ententeich. So hat es Laura auf ihrem Bild dargestellt. Auch andere Kinder wünschen sich Teiche, Rutschbahnen und Spielplätze im Freien, doch es geht auch einfacher. Theodor nennt die Kinder-Speisekarte, die angemalt werden kann. Spiele, die man am Tisch spielen kann oder eine extra Spielecke. "Mampfotopia", wie die Kinder das aus ihrer Sicht "ideale Restaurant" nannten, soll ein Ort sein, "wo man mampfen und toben kann", wie Guiseppe nicht ganz richtig, dafür aber um so treffender übersetzt.
Die Hagenbacher Zweitklässler und ihre Lehrerin Raphaela Schlausch sind mit Feuereifer bei der Sache. Wenn am Ende des zweijährigen Projekts die Landesregierung Kriterien findet, wie kinderfreundliche Restaurants bewertet und mit einem Zertifikat ausgezeichnet werden können, wird dies auch die Eltern freuen. Wobei sich Kinderfreundlichkeit nicht allein an der Speisekarte bemisst: Aus Elternsicht wäre wünschbar, dass sofort eine Karaffe mit Wasser auf den Tisch gestellt wird, oder dass für Kindergartenkinder automatisch ein leerer Teller auf den Tisch gestellt wird, damit die Eltern mit ihnen teilen können. Auch Wickeltische, "Parkplätze" für Kinderwägen und familienfreundliche Preise stehen auf der Wunschliste. Denkbar sind auch Kinder-Kochkurse in der Gaststätte oder dass sie dem Koch bei der Arbeit "unter der Schulter" durchschauen dürfen.
Noch steht die Untersuchung am Anfang, noch ist die "Gegenseite", also die Gastwirte, nicht mit einbezogen. So kann es durchaus sein, dass allzu lautes Kindergeschrei potentielle Gäste abschreckt. Oder Gäste sich beschweren, wenn Kinder bevorzugt bedient werden. Da sind dann die Eltern gefordert, die von ihren Sprösslingen die gleichen Regeln einfordern müssen, die auch zu Hause gelten.
Rainer Strunk von der Kreisverwaltung Germersheim ist jedoch optimistisch, dass es praktikable Lösungen gibt. "Einen Run auf dieses Zertifikat wird es mit Sicherheit nicht geben, doch eine durchaus lukrative Nische für einige Gastwirte wird sich wohl auftun." Das Zertifikat des Landes soll jedenfalls so bald wie möglich kinderfreundliche Gastronomiebetriebe zieren und damit einen kleinen Beitrag leisten, dieses Land insgesamt etwas kinderfreundlicher zu machen.

Die Rheinpfalz, 16. Januar 2003