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Kehl: Mit den Augen der Kinder

"Altersgerechte Symbole weisen auf die wichtigsten Treffpunkte und besondere Gefahrenstellen hin.
Spätestens zum Start der Landesgartenschau liegt er vor: der Kinderstadtplan von Kehl. Erstmals erarbeitet die Firma Kobra einen solchen Plan in zwei Sprachen, Deutsch und Französisch.
Die kleine Lok sieht fast aus wie die berühmte Emma von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer, ein witziges Pferdchen kennzeichnet Reitmöglichkeiten und mit einem roten Dreieck werden die Kinder auf Gefahrenstellen entlang des Schulwegs aufmerksam gemacht. Am Beispiel des Baden-Badener Kinderstadtplans erläuterten gestern Frank Awender und Michael Raith vom Beratungszentrum für kommunale Kinder-, Jugend-, Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung, kurz Kobra, wie die Karte für die Kehler Kinder aussehen wird... Einige Sponsoren für das Projekt sind gefunden. "Aber ganz finanziert ist der Plan noch nicht", sagte Awender und hofft, in den kommenden Wochen noch den einen oder anderen Geldgeber zu finden.
Allerdings: Der wichtigste Teil der Arbeit steht Awender und Raith noch bevor. Gemeinsam mit den Kehler Grundschülern werden sie Schulbezirk für Schulbezirk durchforsten nach all dem, was für die Kinder in der Kernstadt und in den Dörfern rund um Kehl von Bedeutung ist. "Für uns ist das eine Expertenbefragung. Denn bisher haben uns die Kinder noch in jeder Stadt auf wesentliche Punkte aufmerksam gemacht, die der jeweiligen Stadtverwaltung unbekannt waren", erklärte Awender. Denn in dem Stadtplan ... eben auch die "geniale Wiese zum Drachen steigen lassen" oder der Kletterbaum, den nur Kinderaugen wahrnehmen.
Anderer Blickwinkel
Wichtig für die Stadtplan-Entwickler ist der Blick aus Kinderperspektive auch, wenn es darum geht, Gefahrenpunkte im Straßenverkehr aufzuspüren. "Manchmal fällt es uns beim Rundgang wie Schuppen von den Augen, wenn wir eine Kreuzung aus dem Blickwinkel der Kinder betrachten", so Awender.
"Mit dem Plan wollen wir die Kinderfreundlichkeit unserer Stadt unterstreichen", betonte Bürgermeister Jörg Armbruster gestern bei der Pressekonferenz. Ihm und Cornel Happe vom Sozialamt der Stadt ist die Beteiligung der Kinder an diesem Projekt besonders wichtig. "Die Grundschüler machen die Begehung gemeinsam mit den Fachleuten und sehen am Ende ein fertiges Produkt vorliegen. Das ist eine schöne Lernerfahrung", unterstrich Happe. "Die Kinder konsumieren nicht nur, sondern bringen ihre eigenen Erfahrungen ein«, erläuterte Armbruster.
Der Kinderstadtplan soll zunächst in einer Auflage von 5000 Exemplaren erscheinen und über die Stadt und die Sponsoren bei den Kindern ankommen, kostenlos. Wenn die Eltern beim Lesen des Plans behilflich sind, können schon Fünfjährige damit etwas anfangen. Kobra hat bereits mehr als 40 solcher Pläne erstellt, unter anderem für Baden-Baden und Kaiserslautern. Die Stadt arbeitet Kobra lediglich zu, das Kehler Stadtsäckel wird hingegen nicht belastet."

Kehler Zeitung, 14. Oktober 2003