Dudenhofen: Kohlensäure kommt Franzosen spanisch vor
Internationale Jugendgruppe legt im Bürger- und Sportpark einen Abenteuerspielplatz an
Der Bürger- und Sportpark in Dudenhofen wird seit Mitte Juli um einen Abenteuerspielplatz erweitert. Der Plan dazu entstand aus der Zusammenarbeit von "Kobra" (Beratungszentrum für Kommunale Bürgerbeteiligung) und dem Landschaftsarchitekten Norbert Schäfer. Um die Pläne auch in die Tat umzusetzen, plagen sich derzeit 13 europäische Jugendliche im Alter von 16 bis 26 Jahre, jeden Tag fünf Stunden in der Hitze - und das freiwillig und nur für ein Taschengeld.
Der vorhandene Spielplatz war bereits über 30 Jahre alt, dem Konzept einer naturnahen Pädagogik nicht mehr angepasst und löste sich zusehends in seine Einzelteile auf, erläutert Bürgermeister Clemens Körner. Die Planung des Projekts wurde jedoch an "Kobra", einen Arbeitskreis aus Kindern, Jugendlichen und Eltern, übergeben, die in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsarchitekten Norbert Schäfer ein Konzept entwickelten.
Mit der Realisierung dieses Bauplans haben jetzt in den Sommerferien sechs Jugendliche aus Spanien, sechs aus Frankreich und ein Deutscher begonnen. Die Teilnehmer des internationalen Jugendcamps (wir berichteten) zelten während ihres Aufenthalts auf dem Gelände des Bauhofs, wo sie auch eine Küche und zwei Bäder zur Verfügung haben.
Marta Monreal aus Spanien zum Beispiel ist wegen ihres Architektur-Studiums dabei. Sie erzählt, dass ein Anspruch der Gruppe sei, aus Restmaterialien und Holz aus dem Forst einfache Spielmittel herzustellen. Auf diese Weise entstehen fünf Spielgeräte: Vogelschaukel, Baumhaus, Fuchshöhle, Hängebrücke und Seilbahn. Über die täglichen fünf Stunden ehrenamtliche Arbeit hinaus hält sich die Gruppe auch sonst an die Vorgaben des Internationale Jugendgemeinschaftsdienstes (IJ GD). Diese Grundlagen haben die beiden verantwortlichen Gruppenführer in einem einwöchigen Seminar vermittelt bekommen: Freiwilligenarbeit, interkulturelles, ökologisches sowie soziales Lernen, Emanzipation der Geschlechter und Selbstorganisation. Selbstorganisation bedeutet für Ambros Eiletz, einer beiden Campführer, in den gesetzten Grenzen möglichst viele Entscheidungen der Gruppe zu überlassen. Dies funktioniert, weil die Gruppe in sich harmonisch sei, und man "keine Probleme hat, gemeinsame Aktionen durchzuziehen", betont Eiletz. So hätten sie auch Ausflügen zur Burg Berwartstein, Straßburg und Mannheim auf die Beine gestellt und Besuche bei IJGD-Camps in Germersheim und Obrigheim gemacht.
Der zweite Leiter, Jesus De Las Heras Roger, erzählt von vielen Freizeitvergnügungen. Für ihn stehen Freude und Spaß im Vordergrund. Er zeigt eine Strichliste auf der alle Camp-Teilnehmern aufgelistet sind. Sie gehört zum "Fliegenkillen-Spiel", das in Konkurrenz mit den Feuerwehrmännern ausgetragen wird. Außerdem spielen sie mit den Feuerwehrmännern Fußball und Volleyball, vermissen jedoch ein bisschen den Kontakt zur deutschen Jugend.
Charlotte Morales ist froh über die Ablenkung vom unbeliebten Küchendienst, zu dem sie per Los "verurteilt" wurde. Während die anderen im Wald bei schwerer Arbeit viel Leitungswasser aus Sprudelflaschen trinken, spricht sie in fließendem Deutsch von der Sprachbarriere. Dass man hier durch das Bestellen von Wasser immer auch Kohlensäure mit bestellt, geht über ihren Begriff des Wassers hinaus, sagt sie. Franzosen und Spanier haben eine andere Vorstellung davon was Wasser bedeutet, schmunzelt Charlotte. Bis zum 10. August noch besteht das Camp im Bauhof. Der Abschied von der interessanten Gruppe wird allen schwer fallen, auch dem sehr hilfsbereiten Bauhof-Team.
Die Rheinpfalz, 08. August 2003
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