Rheinland-Pfalz: Lokale können auf Geschmack kleiner Gäste eingehen
Kreis Germersheim: Land erteilt Zuschlag für Pilotprojekt "Kinderfreundliche Gastronomie" - Zirka 2000 Euro Kosten für Kreis
Kindergarten- und Schulkinder aus dem Landkreis Germersheim sollen maßgeblich daran beteiligt werden, Leitlinien zu erarbeiten, auf deren Grundlage dann in ganz Rheinland-Pfalz Gaststätten ihre Kinderfreundlichkeit beweisen können. Der Landkreis hat den (exklusiven) Zuschlag des Landes für das Pilotprojekt "Kinderfreundliche Gastronomie in Rheinland-Pfalz" erhalten.
Wodurch zeichnet sich eine kinderfreundliche Gastronomie aus? - Das ist die grundlegende Fragestellung des Projekts, dass sich die Antwort darauf nicht in Babyhochstuhl und Kindergericht erschöpft, sein erklärtes Ziel. Gefragt sind kreative Spielangebote bei geeigneten Sicherheitsvorkehrungen für kleine Gäste unterschiedlicher Altersstufen, deren Anteil aufgrund der demografischen Entwicklung zunehmend rückläufig sein wird. Wer aber könnte solche Ideen besser entwickeln als die Betroffenen selbst? Deshalb bezieht das Modell-Projekt ganz bewusst gerade die Kinder ernsthaft mit ein.
"Eltern und ihre Kinder haben ein Recht, am gesamten gesellschaftlichen Leben teilzunehmen", erklärte dazu Sissi Westrich, Referentin für Kinderpolitik beim rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Anstöße wolle deshalb das Land auch im privatwirtschaftlichen Bereich geben, damit das Augenmerk nicht nur auf die wachsende Zahl von "Senioren mit Geld" gelegt werde. Gemeinsam mit den andernorts laufenden Projekten "kinderfreundliche Behörden" und "kinderfreundliche Krankenhäuser" ist das Gastronomie-Projekt Bestandteil des 1995 vom Land gestarteten Aktionsprogramms "Kinderfreundliches Rheinland-Pfalz". Den Zuschlag für die Durchführung habe der Kreis Germersheim erhalten, weil dort das Jugendamt "sehr engagiert arbeitet", sagte Westrich. In den kommenden Wochen sollen nun in Kindergärten und Schulen, verteilt über den Landkreis, die Vorschläge von Kindern gesammelt werden, wie "ihr Lieblingslokal" aussehen könnte. Mit kind- und fachgerechter Methodik wird diese Aufgabe das Beratungszentrum für kommunale Kinder-, Jugend-, Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung "KOBRA" (Landau) übernehmen. Ihre Teilnahme zugesagt haben bereits die Grundschule Hagenbach, die Geschwister-Scholl-Schule Germersheim sowie die Integrierte Gesamtschule Kandel.
Nach der Kinderbeteiligung sollen in Elternabenden die Vorschläge und Erfahrungen der Mütter und Väter entgegengenommen und berücksichtigt werden. Aus allen Informationen und Erkenntnissen werden vorläufige Leitlinien für engagierte Gastronomen erstellt, die anschließend (von Januar bis April 2003) im Landkreis getestet werden. Dazu wird es eine Ausschreibung geben, interessierte Betriebe können sich entsprechend von KOBRA "unter die Lupe" nehmen lassen.
Bis Juni sollen dann die endgültigen Leitlinien stehen, die das Land schließlich in einer eigenen Broschüre herausgeben will - in der Hoffnung, dass auch in anderen Landkreisen die "kinderfreundliche Bewegung" im Gaststättenbetrieb in Gang kommt. Um dies in möglichst vielen Kommunen attraktiv zu machen, winkt, so Westrich, die finanzielle Beteiligung des Landes an der Umsetzung des Prozesses.
Damit Familien sich bei der Ausflugsplanung entsprechend orientieren können, sollen außerdem bis Mai 2003 sogenannte Piktogramme, also aussagekräftige Symbol-Bilder, für verschiedene "Kinderfreundlichkeits-Kriterien" entwickelt werden. Diese könnten beispielsweise später in Wander- oder Radwegkarten den Weg zum geeigneten Lokal weisen. Dieses Angebot käme, wie Kreisbeigeordneter Rainer Strunk und KOBRA-Mitarbeiter Dr. Peter Dell überzeugt sind, auch der touristischen Entwicklung des Kreises zugute.
Das Gastronomie-Projekt, das im Mai mit ersten Gesprächen startete (auch bereits mit dem Hotel- und Gaststättenverband) und jetzt in die Partizipationsphase geht, ist auf zwölf Monate angelegt. Wie Kreisbeigeordneter Rainer Strunk erklärte, sind für die Gesamtkosten (Einsatz von KOBRA) 10.000 Euro veranschlagt. Vier Fünftel davon übernimmt das Land, das restliche Fünftel trägt der Landkreis Germersheim. Die Gesamtsumme verteilt sich auf die Haushaltsjahre 2002 und 20003.
Die Rheinpfalz, 21. August 2002
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