Presseübersicht 

 
 

 

Region Oberrhein: Kritik am Handynetz-Wirrwarr

Das Forum Junior will Utopien für den Oberrhein entwickeln – aber nicht nur
Buchenbach. Die "Republik Oberrhein" wird vorerst Utopie bleiben und die zugehörige oberrheinische "Volksbierflasche" reine Attrappe. Aber man wird ja wohl träumen dürfen! Den 18 Teilnehmern aus Baden, dem Elsass, der Nordwestschweiz und der Südpfalz mussten die Veranstalter des achten "Forum Junior" das nicht zweimal sagen. Immerhin haben sie im Studienhaus Wiesnack bei Buchenbach eine Woche lang Zeit, ihre grenzüberschreitenden Visionen zu entwickeln.
"Keine bloße Schauveranstaltung" sollte nach den Worten von Peter Dell vom rheinland-pfälzischen Beratungszentrum für kommunale Kinder-, Jugend- und Bürgerbeteiligung (Kobra) dabei herauskommen, sondern eine echte Partizipation an politischen Prozessen. Konkrete Ergebnisse des in diesem Jahr von Baden-Württemberg organisierte und finanzierte Treffens werden einfließen in den Dreiländerkongress "Bürger sein am Oberrhein", der im Oktober in Straßburg stattfindet.
Auch die deutsch-französisch-schweizerische Oberrheinkonferenz wird etwas zu lesen bekommen von den Jugendlichen. Die stört es zum Beispiel, wenn im Grenzgebiet ständig das Handynetz wechselt und sie die teuren Roamingpreise bezahlen müssen. Ob man die Netzbetreiber nicht dazu kriegen könnte, am Oberrhein ein einheitliches Tarifgebiet einzuführen? Auch eine eigene Telefonkarte für den Oberrhein zum grenzüberschreitenden Billigtelefonieren fänden sie gut. Denn zum Nachbarn ist es doch eigentlich nur ein Katzensprung.
Häufigere grenzüberchreitende Treffen sind von den jungen Leuten durchaus erwünscht, zum Beispiel in Ferienlagern. Aber "Deutsche, Franzosen und Schweizer am Oberrhein haben nur eine gemeinsame Ferienwoche im Sommer", beklagt die 20jährige Muriel Klingenschmidt aus Straßburg. Gerade den Blick über den eigenen Tellerrand werten die Jugendlichen als ein unerschöpfliches außerschulisches Bildungsreservoir.
"Leben am Oberrhein" war das Leitthema der Woche. "Eigentlich", zog Marie Werner aus Straßburg Bilanz, "machen wir alle sehr ähnliche Erfahrungen". Auch Sabine Küng aus Basel und Andreas Käfer aus Riehen fühlten sich, trotz der Sonderrolle der Schweiz in Europa, keineswegs als Außenseiter, sondern als "Oberrheiner" wie die anderen. Weshalb Michael Gschwind, der als Betreuer für die Schweiz dabei war, die heimliche Hoffnung hegt, das "Forum Junior" möge der Sympathie seines Landes für die EU ein wenig auf die Sprünge helfen.

Badische Zeitung, 02. August 2002