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Rhein-Neckar: Spaß muss dabei sein, nur dann funktioniert es
Was ist los mit den Jugendgemeinderäten in der Region? – Hat die Jugend kein Inte-resse oder können Politiker nicht motivieren? – Eine Bilanz
Nur allzu oft wird den Jugendlichen von heute ein politisches Desinteresse vorgehalten. Eine Null-Bock-Generation scheint der nächsten zu folgen. Ein Jugendgemeinderat, der die Sache der Jugendlichen in die Politik hineinträgt, sollte da doch enormen Widerhall finden, meint man. Dem ist aber nicht so. Eine Suche nach den Gründen.
Wie ein Flächenbrand hat sich die Idee ja nun nicht gerade verbreitet. Ende der 70er Jahre war sie in Frankreich entstanden und hatte 1985 den Sprung nach Baden-Württemberg geschafft. In Filderstadt wurde der erste deutsche Jugendgemeinderat gewählt, aber bis heute pflegt die Einrichtung ein eher kümmerliches Dasein in Südweststaat. Weit über die baden-württembergischen Grenzen hinaus hat sich die Sache bisher nämlich kaum verbreiten können, und selbst bei uns hat längst nicht jede Stadt oder Gemeinde 'ihren' Jugendgemeinderat.
Von sieben Gemeinden des Sprengels Schwetzingen/Hockenheim verfügen drei über ein solches Gremium, in das Jugendliche, meist zwischen 14 und 18 oder 20 Jahren, gewählt werden können. Und zwar nur von Jugendlichen, die Älteren haben hier nichts zu melden. In Oftersheim, dem ersten Jugendgemeinderat der Gegend, stand man gerade kurz vor dem Scheitern der dritten Wahlperiode. Kaum einer wollte sich mehr aufstellen lassen für die Kandidatur. Im letzten Moment scheint es jetzt doch noch geklappt zu haben. Aber die Mobilisierung zur Wahl wird schwer, das gibt auch Christine Werner, Jugendgemeinderätin der ersten Stunde zu.
Dabei startete der Jugendgemeinderat in Oftersheim nicht unter den schlechtesten Vorzeichen, denn Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung standen hinter dem Projekt. Ein Jahresetat von 3000 Mark wurde zur Verfügung gestellt, und ganz entscheidend und wichtig die Initiative für die Gründung eines Jugendgemeinderats kam aus dem Jugendhaus und nicht aus dem Gemeinderat. 'Das ist eigentlich die wichtigste Voraussetzung. So etwas darf nicht von oben übergestülpt sein, dann scheitert es nämlich garantiert', so Peter Dell von der Firma KOBRA, dem Beratungszentrum für kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung in Landau, mit der die Gemeinde Ketsch ihren Jugendgemeinderat in diesem Jahr erfolgreich installiert hat.
'Wir haben 400 Fragebogen verschickt und unsere Jugendlichen befragt. Wir haben in Projektgruppen gearbeitet, haben eine Wahlparty gemacht und schließlich eine Wahlbeteiligung von 34 Prozent erreicht“, so Jürgen Kappenstein, Amtsleiter in Ketsch. Die 13 gewählten Jugendlichen treffen sich im Sitzungssaal und erhalten Unterstützung von einer Fachkraft, die sich zu zwei Dritteln der Schulsozialarbeit widmet und zu einem Drittel ihrer Arbeitszeit dem Jugendgemeinderat beratend zur Seite steht.
Man muss auf jeden Fall Ernst machen. Wenn man es nicht ernst meint mit Jugendlichen, dann funktioniert es nicht, dann soll man es lieber ganz lassen', so Peter Dell. 'Es lassen' immerhin vier der sieben angesprochenen Gemeinden und die Meinungen gehen in der Einschätzung weit auseinander. In Schwetzingen packt man es gerade an 80 Jugendliche im Palais Hirsch und 27 Kandidaten – das lässt hoffen. In Hockenheim kam das Thema nie richtig aufs Tapet, in Plankstadt ist Bürgermeister Wolfgang Huckele eher zurückhaltend angesichts der Erfahrungen in anderen Gemeinden und will keinesfalls von sich aus tätig werden. Bürgermeister Gerhard Greiner aus Neulußheim hält das politische Instrument für ein 'jugenddemokratisches Feigenblatt' ohne Handlungsvollmacht und ohne Budget. Landauf, landab seien die Versuche gescheitert, und außerdem 'wurde der Wunsch noch nie von jungen Menschen an uns herangetragen'. 'Das stimmt aber doch so nicht, dass kein Bedarf da wäre', meint Michael Till, Jugendgemeinderat in Brühl. 'Das Interesse muss eben erst geweckt werden, man muss dann auch Kontakt zu den Jugendlichen halten.'
Und das geht in Brühl ganz gut, sitzen doch zwei Mitglieder aus dem Förderverein für das Jugendhaus auch im Jugendgremium. Trotzdem lag die Wahlbeteiligung in Brühl bei nur mageren 18 Prozent. Und seitdem steht auch Bürgermeister Ralf Göck dem Jugendgemeinderat eher neutral gegenüber. Bei dieser geringen Beteiligung ist für ihn klar, dass der Jugendgemeinderat natürlich 'nicht für alle Jugendlichen im Ort spricht'.
Angesichts der geringen Wahlbeteiligungen, der wenigen durchgesetzten Projekt – von einer Halfpipe in Oftersheim bis zum Antrag für einen Hockeyplatz in Brühl – und der gelegentlich demoralisierenden Arbeit für die gewählten Jugendlichen, weil man sich alleine gelassen fühlt, könnten auch andere Formen der Jugendbeteiligung versucht werden. Das Beratungsunternehmen KOBRA versucht stets, neben Jugendgemeinderat auch offene Jugendforen und Projektarbeit zu initiieren. Es geht letztlich darum, dass man den Jugendlichen vermittelt: Ihre Meinung ist gefragt. 'Und Spaß muss dabei sein', so Dell.
Rhein-Neckar-Zeitung; 23.10.2001
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