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Neunkirchen: Jugendliche wollen sich beteiligen
Die Neunkircher Jugendlichen haben viel zu kritisieren, sind aber auch bereit, sich in die Pflicht nehmen zu lassen. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage.
Neunkirchen (kk). Es bleibt noch viel zu tun. Denn mit den Aktivitäten der Stadt für die Jugendlichen sind nur 23 Prozent dieser Altersgruppe zufrieden. Über die Hälfte ist auch mit der Jugendpolitik nicht einverstanden. Dies ist das Fazit einer repräsentativen Jugenbefragung, die von der Stad bei "Kobra", dem Beratungszentrum für kommunale Kinder-, Jugend-, Bürgerinen- und Bürgerbeteiligung mit Sitz in Landau in Auftrag gegeben worden war. Das Erbebnis liegt nun in Form einer rund 60-seitigen Broschüre vor. Präsentiert wurde sie von "Kobra" erstmals bei der gestrigen Sitzung des Stadtrates. Der befragte Personenkreis umfasste 630 Jugendliche im Alter von zwölf bis 21 Jahren an den weiterführenden Schulen der Stadt. 537 davon leben in Neunkirchen, 93 kommen von außerhalb. Rund 60 Prozent aller befragten Jugendlichen sind Mitglied in einem Verein, mit einem deutlichen Übergewicht für die Sportvereine. Zur Auswertung kamen 627 Fragebögen mit jeweils 18 Fragen.
Das Ergebis in aller Kürze: Die höchste Zufriedeheit mit den Jugendaktivitäten der Stadt weisen die 13-Jährigen auf. Ab 15 steigt die Unzufriedenheit bis zum Alter von 17 Jahren sowohl bei Mädchen und Jungen kontinuierlich an. Aus dieser Gruppe kommen auch die meisten Veränderungsvorschläge. Die Mehrzahl betrifft den Freizeitbereich. Vermisst werden vor allem "jugendgerechte"" Veranstaltungen, Konzerte und sportliche Angebote. Konkrete Vorschläge: Neubau von Skateranlagen, mehr Sportanlagen, Verbesserung oder Erneuerung am Hallenbad und Disko-Veranstaltungen für Jugendliche unter 16 Jahren. Sehr positiv beurteilt werden die Angebote der Kinos und die Feste.
Und wo trifft sich die Jugend von Neunkirchen? Laut Erhebung sind Saarpark-Center, Stummplatz und Wasserturm die mit Abstand beliebtesten Treffpunkte. Wie aber dorthin kommen? Deshalb war im Fragenkatalog auch die nach der Zufriedenheit mit Bus- und Bahnverbindungen aufgeführt. Während die meisten Jugendlichen das Angebot an Wochentagen als zufriedenstellend bezeichnen, wird das Angebot am Wochenende eher schlecht bewertet. Ganz schlecht kommen die Radwege in und um Neunkirchen weg, deren Qualität ebenfalls zu beurteilen war. "Wo sind denn die überhaupt?" lautete öfter die süffisante Gegenfrage. Ihre Informationen über das aktuelle Geschehen bezihen die 15- bis 18-Jährigen "oft bis regelmßig" vor allem aus der "Saarbrücker Zeitung". Die 13- bis 15-Jährigen bevorzugen die Bild-Zeitung lesen die Tagezeitung und die Wochenblätter "so gut wie gar nicht". Doch können sich beide gegen Fach- und Jugendmagazine nicht behaupten. Insgesamt bescheinigt die Studie den Jugendlichen durchaus Interesse "an allgemeinpolitischen und gesellschaftlichen Themen". Sie stellt aber auch fest, dass ihnen die Sicherheit in der Stadt Sorgen bereitet. Denn sehr häufig taucht in den Antworten zu dieser Frage der Wunsch "nach weniger Kriminalität und höherer Polizeipräsenz" auf. Insgesamt sei das Sicherheitsgefühl der Befragten sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen sehr gering, ist in der Broschüre festgehalten. Auf die Frage der Unterstützung von Jugendbeteiligungs-Modellen in Verwaltung und Politik gibt es durchaus positive Resonanz. Zwei Drittel der Befragten fänden es gut, mehrmals im Jahr "ihre Meinung mit dem Stadtrat auszutauschen". Als Form der Beteiligung wird die Einrichtung eines Jugendrates favourisiert. Aber auch die Beteiligungsmodelle Jugendforum und Projektarbet scheinen möglich. Bei den abschließenden Empfehlungen hält das Beratungszentrum "Kobra" ein "Beteiligungsnetzwerk" für sinnvoll. "Kobra" empfiehlt deshalb folgenden Vorgehen: Einrichtung eines Jugendrates als Koordinationsstelle für Jugendaktivitäten und Vermittlungsinstanz zwischen Jugendlichen und Verwaltung; Förderung konkreter Projektarbeit und die Veranstaltung eines Jugendforums, bei dem alle Jugendlichen aus Neunkirchen die Möglichkeit haben, sich mit den Kommunalpolitikern auseinanderzusetzen. "Unbedingt" zu beachten sind die Sicherheitsfrage und eine Optimierung des Radwegenetzes. Hier wird eine Prioritätenliste vorgeschlagen, "die von den Hauptnutzern mit erarbeitet wurde". Soweit ein erster Überblick über die umfangreiche Broschüre, die alle angesprochenen Themenkomplexe natürlich wesentlich umfangreicher behandeln kann. So erfolgt neben der allgemeinen Auswertung jeweils auch eine nach Geschlecht, Alter und Schulart. Auch auf die Besonderheit der Befragten aus dem Kreis Neunkirchen wird eingegangen.
Saarbrücker Zeitung (Neunkirchen), 10.02.2000
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