Lingenfeld: Vorzeigeprojekt Jugendhaus
Lingenfeld. - Dieses Modell könnte Schule machen: In das neue Lingenfelder Jugendhaus am Hirschgraben soll ein Pilotprojekt Einzug halten, das im Landeskreis Germersheim bisher einmalig ist. Kreisjugendamt, Verbands- und Ortsgemeinde sowie das Beratungszentrum für Kommunale Kinder-, Jugend- und Bürgerbeteiligung (Kobra) in Landau haben ein Konzept ausgetüfftelt, wie die Jugendlichen von Anfang an in die Verantwortung mit einbezogen und auf demokratische Spielregeln vorbereitet werden können.
Mit Ihren Wünschen und Anregungen, Bedürfnissen und Sorgen stoßen die Kids bei einem Aktionswochenede am 15./16. Mai mit Sicherheit auf offene Ohren. Samstag und Sonntag werden alle acht bis 17jährigen zum ersten mal in Ihr neues Domizil eingeladen und die "Großen" hören Ihnen zu. "Wir beschreiten im Landkreis ganz neue Wege", gibt sich Dezernent Fritz Brechtel im Pressegespräch innovativ.
Der Haken: Es fehlt an Betreuer
Nagelneu ist da in Holzbauweise errichtete Treff... Allein - bis jetzt herrscht noch gähnende Leere, die große Einweihungsfete lässt auf sich warten. Die soll nämlich erst stattfinden, wenn ein hauptamtlicher Jugendbetreuer, wünschenswert wäre ein Ausgebildeter Sozialpädagoge, eingestellt ist, erklären Ortsbürgermeister Alban Gutting und Verbandsgemeindechef Jürgen Thomas übereinstimmend und hoffen, daß das bis Mai unter Dach und Fach gebracht ist. Das wiederum ist aber davon abhängig, ob Mainz entsprechend tief in den Fördertopf "Jugendarbeit im ländlichen Raum" greift.
Eigenverantwortung und gesellschaftliches Engagement sind die Stichwörter, die beim Lingenfelder Modell unterstrichen werden. Die Jugendarbeit unterscheidet zwischen den acht und 12jährigen und den 13- bis 17jährigen, zwischen Mädchen und Jungen ... Der bisherige provisorische Jugendtreff im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus mitten im Ort hatte sich als problematisch erwiesen: Zu laut waren die Kids für die ruhebedürftigen Anwohner.
Ingrid Ebert, bei der Kreisverwaltung zuständig für Jugendhilfeplanung, und Dezernent Brechtel lobten die Vorreiterrolle, die die Bürgermeister Thomas und Gutting übernommen haben. Nach den Aktionstagen sollen die Ergebnisse auf den Prüfstand kommen und weiterentwickelt werden.
Gutting versäumte es nicht, die Investitionen nochmals hochzurechnen. Reine Baukosten 250.000 DM, mit Erschließung, Innen- und Außenausstattung sowie Architektenhonorar rund 350.000 DM. Der Kreis gibt 50.000 DM dazu.
Speyerer Tagespost, 17.04.1999
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