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Bobenheim-Roxheim: Jugend will ein eigenes Parlament

Prozent der jugendichen, die sich an der Fragebogenaktion "Trau Dich - misch mit" beteiligt haben, wollen ein Jugendparlament in Bobenheim-Roxheim. Das gab Bürgermeister Manfred Gräf gestern in einem Pressegespäch bekannt. Wenn der Gemeinderat diesem Wunsch der 13- bis 17jährigen zustimmt, könnte über die Kandidaten womöglich schon am 13. Juni bei den Kommunalwahlen abgestimmt werden.

An der Fragebogenaktion, mit der die Gemeinde die Zufriedenheit mit der Jugendarbeit im Ort abfragte und das Interesse am politischen Geschehen ausloten wollte, beteiligten sich 137 von 648 angeschriebenen Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren. "Eine überdurchschnittliche Resonanz", bewertet Peter Dell den Rücklauf von 21 Prozent. Der Politikwissenschaftler vom Beratungszentrum für kommunale Kinder- und jugendbeteiligung (Kobra) in Landau hat die Umfrage erstellt und ausgewertet. Ähnliche Aktionen hat er in Landau und in der Verbandsgemeinde Herxheim durchgeführt, aber bisher noch keine so hohe Beteiligung ohne Nachfassen durch die Schulen erreicht.
Besonders aktiv beim Ausfüllen waren die 13- und I4jährigen: Sie haben die meisten Fragebogen zurückgeschickt und auch die meisten Vorschläge eingebracht. "Die Älteren haben eher die öglichkeit, die Freizeitangebote in Worms oder Frankenthal zu nutzen" so Manfred Gräf. Auch im Hearing am Montag, an dem 42 jugendliche nochmals die Ergebnisse diskutierten und sich erste Handlungsschritte überlegten, war vor allem diese Altersgruppe vertreten. 23 sind der Arbeitsgruppe "Jugendrat" beigetreten. Sie wollen in den nächsten Wochen eine Satzung erstellen und einen Wahlmodus vereinbaren,... Unterstützt werden sie weiterhin von Peter Dell. Nach dessen Auswertung sind zwar 85 Prozent der Jugendlichen für einen Jugendrat, jedoch nur 35 wollen auch kandidieren.
Gräf will darauf achten, dass der Jugendrat frei von parteipolitischen Einflüssen arbeiten kann. Die Ergebnisse der Jugendbefragung müßten möglichst schnell umgesetzt werden, damit möglichst viele Jugendliche bei der Stange bleiben, forderte er. Eine hohe Wahlbeteiligung sei vor allem bei einem Termin parallel zu den Kommunalwahlen zu erwarten, deshalb sollen sich die Jugendlichen, die zwischen 13 und 17 Jahre alt sein müssen, bereits am 13. Juni zur Wahl stellen können. Wir loten das noch aus, ob das auch rechtlich möglich ist.

Auch Foren und Projektarbeit.
"Das Jugendparlament könnte als Bindeglied zwischen den Jugendlichen und dem Gemeinderat fungieren", erläuterte Dell. Wie genau er jedoch Einfluß nehmen möchte, sollten die Jugendlichen selbst entscheiden. Der Jugendrat habe aber auf jeden Fall Initiativ- und Rederecht im Gemeinderat. Dazu kann der Wissenschaftler sich auch Foren vorstellen, in denen ein- oder zweimal im Jahr Politiker sich den Anliegen der jungen Leute stellen könnten. Jugendliche sollten, so Dell, aber auch über Foren oder Projektarbeit die Möglichkeit erhalten, am Gemeindegeschehen mitzumischen. Diese Art der Beteiligung habe ebenfalls großen Zuspruch erhalten. Parallel dazu könnten sich Arbeitsgruppen verschiedener Projekte annehmen.
Weitere fünf Arbeitsgruppen wurden ... bereits ins Leben gerufen. Deren Mitglieder wollen sich vor allem mit der Verbesserung der Freizeitmöglichkeiten befassen, da diese bei der Umfrage nicht so gut abschnitten. Nur 9,5 Prozent der Jugendlichen sind damit einverstanden. Mit der AG Kommunales Kino soll die Aktion ,,Akki" wie wiederbelebt werden, um Filme auch in Bobenheim-Roxheim vorzuführen. Die AG "Disco" kümmert sich darum, die Discoabende, die derzeit vom Jugendtreff mit den Kirchengemeinden angeboten werden, attraktiver für ein größeres Publikum zu gestalten. Den Bau eines Skaterparks will eine weitere Arbeitsgruppe vorantreiben. Die Gründung einer Internet-AG fand ebenso großen Anklang. Außerdem soll das Amtsblatt eine Jugendbeilage bekommen, worum sich ebenfalls Jugendliche kümmern wollen.

Die Rheinpfalz (Frankental), 06.03.1999