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Bobenheim-Roxheim: Interview SWF 4 (Ludwigshafen) am 5. März 1999 (12.50 Uhr) zur Jugendbefragung in Bobenheim-Roxheim

SWF 4 (Anmoderation): Kinder und Jugendliche heute, die sind doch eigentlich politisch gar nicht interessiert. Dies ist ein gängiges Vorurteil vieler Zeitgenossen. In der Gemeinde Bobenheim-Roxheim wollte man es einmal genauer wissen. Was denken eigentlich die 13 bis 17jährigen über Politik, was würden sie am liebsten in ihrer Gemeinde ändern. Um dies herauszufinden wurde vor Kurzem eine Befragung der Jugendlichen durchgeführt. Heute nun wurde das Ergebnis vorgestellt. Im Studio begrüße ich jetzt Dr. Peter Dell vom Beratungszentrum für kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung aus Landau. Herr Dell sie haben diese Umfrage durchgeführt, was haben sie denn gefragt im einzelnen und was war das überraschende, das zentrale Ergebnis dieser Umfrage?

Dr. Dell: Gefragt wurde in dem Fragebogen auf drei Ebenen: Es wurde die Lebenswelt der Jugendlichen abgefragt, wie fühlen sie sich wohl in Bobenheim-Roxheim, wie ist ihr politisches Interesse im allgemeinen und das entscheidende, das zentrale an der Umfrage war, wie sind die Beteiligungswünsche der Jugendlichen in der Gemeinde Bobenheim-Roxheim.

SWF 4: Was kam denn heraus im Hinblick auf die Beteiligungswünsche? Ich hatte ja eingangs gesagt, Jugendliche, das denken viele, die wollen sich kommunal gar nicht engagieren. Ist das so, was sagen ihre Ergebnisse?

Dr. Dell: Bei den Endergebnissen kann man festhalten, dass der Wunsch am Geschehen der Gemeinde teilzuhaben, sich zu beteiligen eindeutig ist. Es haben sich bei der Befragung rund ein Viertel der befragten Jugendlichen beteiligt. Das ist eine vergleichsweise hohe Zahl, 25 Prozent. Von 620 Jugendlichen haben 137 in nackten Zahlen geantwortet und der Wunsch zur Beteiligung ist eindeutig. Die Jugendlichen haben keine besondere Beteiligungsmöglichkeit preferiert. Sie sprachen sich für fast alle Möglichkeiten der Beteiligung aus. Also sowohl für einen Jugendgemeinderat, als auch für die Durchführung von Foren, die unregelmäßig im Jahr stattfinden, wo dann auch Leute teilnehmen können, die nicht im Jugendgemeinderat engagiert sind. Aber auch zur konkreten Projektarbeit im Freizeitbereich, was Diskotheken, was Kino- und Internetangebot angeht sind sie bereit mitzuarbeiten.

SWF 4: Nun ist ja der Jugendgemeinderat sozusagen das klassische Instrument, will ich mal sagen, um Jugendliche stärker anzubinden an die Arbeit auf kommunaler Ebene. Sie haben jetzt auch ein paar andere Möglichkeiten angedeutet. Was sind da ihre Erfahrungen, können sie dazu was sagen, diese Foren, diese projektbezogene Arbeit, ist das den politischen Einstellungen, dem Verhalten der Jugendlichen angemessener, ist das besser? Gibt's da sozusagen ein Rezept was sie dann nach Bobenheim-Roxheim mitgeben können? Macht es so und nicht so, was ist da denn die Erfahrung?

Dr. Dell: Patentlösungen gibt es keine. Jede Gemeinde, jeder Kreis und jede Stadt hat ein eigenes Profil und dieses Profil muss man herausfinden. Deswegen ist unsere Philosophie, die Jugendlichen zu fragen, wie wollt ihr euch beteiligen? Der Jugendgemeinderat, der Jugendstadtrat oder das Jugendparlament, wie es genannt wird, wird preferiert von seiten der Erwachsenen. Das sind Strukturen mit denen Erwachsene umgehen können, die sie kennen. Foren oder Projektarbeit, das sind keine Möglichkeiten, im Sinne von Erwachsenen keine Möglichkeiten, sich zu beteiligen. Aber Jugendliche sind bereit auch diese Formen anzunehmen, vor allem was Projektarbeit angeht. In kurzen, überschaubaren Räumen etwas bewältigen.

SWF 4: Nun haben wir ja eine konkrete Situation über die wir reden. Bobenheim-Roxheim. Ist ihr Eindruck das dort die Erwachsenen bereit sind, politische Beteiligung der Jugend zuzulassen. Eine Umfrage ist ja nett und schön, aber wenn's dann wirklich darum geht etwas Macht und Entscheidungskompetenz abzugeben, wie sieht's da aus, was ist ihre Einschätzung?

Dr. Dell: Bobenheim-Roxheim ist ein Musterbeispiel, wie von Seiten der Verwaltung und Politik auf Beteiligung zugegangen wird. Die Beteiligung ist ernst gemeint, es ist keine Alibifunktion von Beteiligung. Die Umfrage und auch das was jetzt folgt wurde auch recht schnell und zügig durchgeführt in Bobenheim-Roxheim. Es sollt nicht zum Wahlkampfthema gemacht werden. Die Jugendlichen sollten nicht instrumentalisiert werden. Man kann sagen Bobenheim-Roxheim sollte eigentlich für alle Gemeinden, Städte und Kreise in Rheinland-Pfalz stehen, als Beispiel dafür, wie man mit Kinder- und Jugendbeteiligung umgeht.

SWF 4 (Abmoderation): Das ist natürlich ein hoher Anspruch, daß heißt, wir werden in Zukunft genauer nach Bobenheim-Roxheim schauen und schauen was dort passiert in Sachen Jugendbeteiligung. Vielen Dank Dr. Peter Dell vom Beratungszentrum für kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung aus Landau.